…über flotte Bienen und coole Käfer – Vortrag Prof. Künast am 13.06.2018

UWG lud zu einem gut besuchten, interessanten Vortrag über „Biodiversität, Artenschutz und „Eh da-Flächen“ein

Sehr viele Bürger haben wohl noch nichts von ‚Eh-da Flächen‘ gehört, und so bot der Vortrag eines Experten und Gründungsmitgliedes dieser Idee, Herr Professor Christoph Künast, eine wertvolle Auskunft.

Zur Einleitung wurde versucht, die Relevanz dieses Thema für uns alle darzustellen. Hubert Deissler (UWG) führte aus, dass 1950 gerade mal 2,5 Milliarden Menschen auf dieser Welt lebten, heute sind es bereits 7,6 Milliarden. Um sich dieses ungeheuerliche Wachstum auf Schifferstadt bezogen vorstellen zu können, verglich er die Zahlen der zugelassen Autos 1974 – es waren ca. 5.000, mit dem heutigen Stand: ca 14.200! Es ist dabei verständlich, dass bei einem so starken Wachsen einer Population andere Gattungen, die mit dem Menschen um die gleichen Lebensräume konkurrieren, stark zurückgedrängt bzw. im schlimmsten Fall ausgerottet werden. Das wäre ja an sich noch akzeptabel, hat es doch in der Natur schon immer Veränderungsprozesse gegeben. Allerdings hängen wir in vielen Bereichen unseres Lebens gerade von einer funktionierenden Artenvielfalt ab. Die Bestäubung in unserer Landwirtschaft durch Insekten ist dabei nur ein Beispiel, das allerdings signifikante Auswirkung auf unsere Ernährung hat.

Vor diesem Hintergrund wurde Professor Künast eingeladen, denn während ‚die Politik‘ sich oftmals bei komplexen Themen schwer tut, Lösungen zu finden und gegen eine erkannte Gefahr anzukämpfen, schaffen manchmal einfache, kostengünstige und unbürokratische Privatinitiativen erstaunliche Erfolge.

Wie Gemeinden und Bürger mit einfachen Mitteln ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können

Das „Eh da-Konzept“ basiert auf der Tatsache, dass es in der Agrarlandschaft Flächen – Eh da-Flächen – gibt, die ökologisch aufgewertet werden können, ohne sie aus der produktiven Nutzung herausnehmen zu müssen. Vorhandene, bislang nicht wirtschaftlich genutzte Flächen zur Förderung biologischer Vielfalt zu nutzen, ist der Grundgedanke dieses Konzepts. Das sind also keine landwirtschaftlich genutzten Felder, keine Naturschutzgebiete, keine Ausgleichsflächen, Streuobstwiesen und auch keine privaten Gärten oder städtische Anlagen. Nein, es handelt sich dabei um Flächen, die einfach vorhanden sind und keinem bewusst auffallen, wie bspw. die Straßenränder, Flächen an Straßenkreuzungen, Autobahnen usw. Durch moderne kartographische Auswertungen von Satellitenaufnahmen lassen sich recht genau diese Flächen identifizieren und berechnen. Herr Künast berichtete bei einer bundesdeutschen Überprüfung von 3-6% ‚Eh-da‘ Flächen im bezug auf die Gesamtfläche. Das ist ein wahrhaft verblüffend hoher Wert von Flächen, für die sich niemand interessiert und die von keinem beansprucht werden.

Um nun zum Artenschutz zurückzukommen, muss man wissen, dass es nicht allein getan ist, ein paar schöne Blumen anzupflanzen, denn alle Tiere brauchen neben einem ausreichend Nahrungsangebot auch Lebensraum und Brutmöglichkeiten. Auch die Akzeptanz von ‚Ungeziefer‘ gehört dazu, denn ohne Raupe kein Schmetterling und ohne Engerling kein Käfer und ohne Insekten weniger Singvögel. Mit viel Hintergrundinformation und spannenden Geschichten erklärte Prof. Künast, dass viele Insekten ‚recht faul‘ sind und nur etwa 300m zwischen Nahrungsquellen und Brutstätte ‚akzeptieren‘. Aus diesem Grunde ist eine Vernetzung der Gebiete notwendig. Es nutzt nichts, an einem Ende eine schöne Blumenwiese zu haben und einen Kilometer weiter Holz, Steinhaufen oder Erdflächen als Brutmöglichkeiten.

Anhand der Geodaten lassen sich dann ortsbezogen vorhandene Lebensräume identifizieren und durch Einbeziehen der Eh da -Flächen miteinander verknüpfen, so dass ausreichend Nahrungs- und Lebensraum benutzt werden kann.

Da diese Flächen vorhanden sind und auch kein komplexer Anbau von Pflanzen gefordert ist, sondern nur eine Änderung im Management dieser Grün- und Blühflächen (bspw. nicht alle Blüten auf einmal abmähen) ist das Ergebnis billig und ohne riesigen Aufwand zu erreichen.

Unterstützung bekam Prof. Künast durch Herrn Mark Deubert, AgroScience Neustadt/W, der speziell über die Anwendung der Geodaten berichtete.

Lebhafte Diskussion

Nach seinem Vortrag, gab Prof. Künast Gelegenheit zur Diskussion, und viele Teilnehmer meldeten sich zu Wort. Es waren neben Frau Bürgermeisterin Volk und der Beigeordneten Marion Schleicher- Frank auch einige Stadträte anwesend, die recht konkret die Kosten und die Möglichkeiten zum Umsetzen dieser Idee diskutierten. Den Vorschlag von Frau Bürgermeisterin Volk, zunächst die bereits geplanten und in Durchführung befindlichen Projekte laufen zu lassen und danach zu sehen, welcher Handlungsbedarf noch besteht, widersprach der Referent. Man sollte, so meinte er, als Erstes eine Analyse durchführen und danach ein Konzept erstellen. Mit diesem Konzept lassen sich dann die verschiedenen angestossenen oder geplanten Projekte sinnvoll vernetzen und so der maximale Nutzen für die Kommune erzielen.

Der Vorsitzende der UWG, Herr Jürgen Meyer, bedankte sich bei den Referenten und Diskussionsteilnehmer für die gelungene Veranstaltung und interessanten und wertvollen Beiträge. Da Herr Künast in Otterstadt wohnt, werden wir weiter mit ihm in Kontakt bleiben.

Weitere Unterlagen:
Vortragspräsentation